BÖHSE ONKELZ
Die Charts in Flammen...


...das dürfte mit dem neuen Material der Onkelz kein großes Problem sein. Beim Erscheinen dieser Zeilen dürfte "Terpentin", die erste Singleauskopplung aus dem neuen Onkelz-Album, bereits für einige Furore - sowohl in den deutschen Single-Charts, als auch bei den Fans - gesorgt haben. Auf jeden Fall werden sich die CD-Händler, die weiterhin, meines Erachtens grundlos, Onkelz-Veröffentlichungen boykottieren, mächtig in den Arsch beißen - oder sie kommen zu dem Schluß: "..Ich bin nicht blind geboren, ich lerne aus meinen Fehlern..."! Warten wir's ab!

Es ist Mitte Juni, die Fußball-WM ist gerade angelaufen, und Mike und ich sind auf dem Weg nach Frankfurt, um den Onkelz einen Besuch im bandeigenen Studio abzustatten. Man könnte fast sagen: "The same procedure as every year!", sind die Onkelz doch eine der wenigen Bands, die konstant Jahr für Jahr eine Veröffentlichung raushauen. Doch bevor wir einen Blick auf die aktuellen Geschehnisse im Onkelz-Lager sowie in die nahe Zukunft werfen, sollte man doch kurz ein Resümee des vergangenen, für die Band sicherlich sehr erfolgreichen Jahres ziehen. Erfolgreich zum einen, was den Verkauf der "Live in Dortmund"-Scheibe angeht, zum anderen, den Resonanzen der Onkelz-Biographie "Danke für nichts" nach zu urteilen.
»Die Reaktion auf das Buch war überaus gut. Und das von allen Seiten, also sowohl von Seiten der Fans als auch von Kritikern der Band. Wir haben mittlerweile fast einhunderttausend Exemplare verkauft - und somit kann man doch von einer guten Reaktion ausgehen«, beginnt Stephan unser Gespräch.
»Man muß auch dazu sagen, daß es durchweg positiv ausgefallen ist. Wir hatten eigentlich - was uns aber auch egal gewesen wäre - mehr damit gerechnet, daß aufgrund von einigen gewalttätigen Abschnitten des Buches die Resonanz etwas negativer ausfallen würde. Im großen und ganzen ist es aber dann doch so angekommen, wie wir uns das vorgestellt hatten«, fügt Gonzo hinzu.

Eine gute Bilanz, kann man also sagen. Bereits im Dezember letzten Jahres konnte man für die diesjährige Onkelz-Tour Karten erwerben. Auf der erhältlichen Shape-CD-Eintrittskarte gab es ein Instrumentalstück als Kostprobe dessen, was wir im Spätsommer Neues von den Onkelz zu erwarten haben. Es wird also ein sehr moderner Onkelz-Sound sein!?
»Wir haben uns ja schon immer ein bißchen die Freiheit erlaubt, auch mal mit ein paar anderen Sounds zu experimentieren, bzw. mal ein paar andere Wege zu gehen, als es vielleicht die meisten klassischen Rockbands machen. Der Titel von der Shape-CD wird allerdings nicht auf dem Album sein, voraussicht- lich nicht, aber er wird eine der B-Seiten für die Single werden, damit nicht nur die Leute, die die Shape-CD haben, sondern auch die, die an den Onkelz interessiert sind, das Lied hören können. Sicherlich werden Teile aus diesem Song auch auf dem Album wiederzufinden sein, also daß z.B. mal ein Keyboard draufsein wird, oder mal eine Modulation. Aber im wesentlichen wird die Platte eine Onkelz-Platte wie immer. Es wird wie immer durch alle Richtungen gehen, die wir bisher gemacht haben. Es wird klassische Onkelz-Nummern geben, aber auch ein paar experimentelle Sachen. Man wird jedoch immer hören, daß es die Onkelz sind«, erklärt Stephan. Und wenn man den Songs "Terpentin" und "Weit weg" lauscht, bestätigt sich das unweigerlich. Mike und mich hat es fast aus den Regiestühlen gehauen, als wir im Studio diese zwei Nummern zu Gehör bekamen. Ihr, liebe Leser/Fans, werdet sicherlich ebenfalls im berühmten "Dreieck" gesprungen sein. Während "Terpentin" eine Hymne mit echtem Onkelz-Klassikerstatus ist, kommen bei "Weit weg" ganz neue Töne aus den Boxen, nämlich mit Synthesizern verzierte.

»Auf dem ganzen Album werden sicherlich noch zwei oder drei Lieder sein, die ebenfalls in diese Richtung gehen, also Lieder, bei denen wir auch Synthies verwendet haben. Wir haben halt irgendwas gesucht, womit wir uns zusätzlich ein bißchen motivieren können - im Prinzip den Onkelz-Sound einfach ein bißchen modernisieren, würde ich mal sagen. Auf Dauer ist es dann doch langweilig, wenn man von Album zu Album immer einen ähnlichen Stil hat - dieses Motörhead-Syndrom. Nichts gegen Motörhead, aber ich finde, wenn du fünf Platten von denen hast, brauchst du nicht alle zwanzig, da die sich doch vom Stil her sehr ähneln. Es ist zwar wichtig, daß eine Band ihren eigenen Sound hat, sie sollte aber auch mal schauen, was es noch für Möglichkeiten in der Musik gibt. Natürlich sollte das dann nicht zu offensichtlich abgehen, wir wollen jetzt also nicht zu einer Elektroband werden, sondern nur unsere Musik mit modernen Sounds unterstützen«, berichtet Stephan zu dem frischen und modernen Soundgewand der Band.


Text Interview: Sven Reinfrank
Text Internet: Sven Reinfrank


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