GOTHIC ROCK SPECIAL III
Etappe 2: Auf dem Weg zur Erde, zum Kosmos und dem unsterblich
unendlich Ganzen


Nachdem ich Euch im letzten Teil des Specials von wichtigen Bands dieser und anderer hierfür relevanten Genres berichtet habe, werde ich heute verstärkter auf Hintergründe eingehen, wobei ich hierbei die Gelegenheit nutzen möchte, manch Mißverständnis, das nicht selten in Unverständnis mündet, aufzuklären.






Zunächst jedoch noch einmal zu The 3rd And The Mortal - eine Gruppe, die in Zeiten, als der Gothicmetal noch kein Trend war, für bescheidenes Aufsehen gesorgt hatte, weil sie erstens mit einer weiblichen Stimme aufwartete und zweitens ungeheuer experimentierfreudig zu Werke ging. An dieser Stelle erlaube ich mir, besonders dem Schlagwerker intensive Aufmerksamkeit zu schenken. Dieser nämlich beherrscht sein Instrument mit solch einer unglaublich verzwickten Ge- schmeidigkeit, daß man glauben möchte, er habe magische Hände.

Ähnliches Handwerk ist mir übrigens noch bei Mindrot und Evereve aufgefallen. Frontfrau bei The 3rd And The Mortal war seinerzeit Kari Rueslatten; heute ist es Ann-Marie Edvardsen, welche ihren Mann ohne Zweifel steht. Kari verließ die Band, wirkte nebenher bei einem Projekt zweier Norweger mit und veröffentlichte danach eine Solo-Scheibe, die sich mehr mit Folk beschäftigte. Diese Frau dürfte wohl die Wegbereiterin vieler zur Zeit angesagter Sängerinnen im oberen Oktavenbereich gewesen sein. Ihr Solo-Debüt hat zwar auch seinen Reiz, jedoch ist es leider sehr minimalistisch ausgefallen, und bedauerlicherweise hat man seither nichts mehr von ihr gehört.

Eine Band ähnlichen Formats ist Theatre of Tragedy. Auch hier ist, allerdings neben einem Sänger, eine Frau an vorderster Front. Liv Kristine Espenaes gibt hier ebenfalls klassische Gesangskunst zum besten. Auch sie begibt sich, jedoch ohne sich von ihrer angestammten Band zu verabschieden, auf Solopfade. Bleibt zu hoffen, daß dies nicht die gleiche Entwicklung zufolge hat wie in Karis Fall!

Während Norwegen für Bands dieses Schlages ein Garant zu sein scheint, erkämpft sich eine aus den Niederlanden kommende junge Combo namens The Gathering ihren Platz an der Sonne. Daraufhin folgen weitere wie Within Temptation. Wiederum Frauen am Mikrofon. Es zeichnet sich ab, daß diese sich mehr und mehr vorkämpfen, und das ist auch gut so, denn daraus ergibt sich eine unverwechselbare Fusion von Grobschlächtigkeit und Grazie. Eine besondere Form der Gleichberechtigung, die durchaus seine Inspiration aus längst vergangenen mythischen Tagen oder Legenden finden könnte. Der Mann als Held, in einer Art kämpferischen Darstellung, jedoch nicht als diktierender, gewalttätiger Unterdrücker.

Einer, der trotz seiner Grobschlächtigkeit kein Problem damit hat, seine Gefühle zu äußern. Einer, zu dem man aufschauen kann. Und die Frau als mehr oder minder zerbrechliches Gegenstück, die zwar geliebt und beschützt - aber - nicht beherrscht werden will. Eine, die auch im Stande ist, zum Schwerte zu greifen, wenn ein Eindringling UNGEFRAGT ihr Territorium betritt. Das alles in einer Art Wechselspiel. Speziell die Szene des Gothic Metals/-Rocks und Dooms symbolisiert meines Erachtens solche Grundgedanken. (Bedauerlicherweise gibt es allerdings innerhalb der Szene noch Männer, die das Ziel komplett verfehlt haben und sich Frauen gegenüber so widerwärtig benehmen, daß man ihnen mal ordentlich den Arsch versohlen sollte. Aber auch Frauen, die ständig jammern und sich aus ihrer Rolle als Heim- und Herd-Weibchen nicht lösen wollen, sind zu beobachten. Vielleicht auch, weil es ja zu unbequem sein könnte. Dann aber sollte sich keine Frau über ihr Los beschweren, denn von nichts kommt nichts. Solche Begleiterscheinungen dürften Anzeichen des sogenannten Trends signalisieren.)

Die Gleichberechtigung - sie geht einher mit der Liebe zu einer Zeit, die es tatsächlich in ähnlicher Form gegeben hat und die man sich in seinen Träumen zurechtbiegt. Man nimmt sie, oder aber auch Sagen und Legenden, als Ausgangspunkt. Seien es Helden, Druiden bzw. Barden, Hexen oder Magierinnen und dergleichen, welche als nicht greifbare personifizierte Ideale dienen, doch alle meinen irgendwie dasselbe. Bezüglich des enormen weiblichen Zulaufs, seien es Musikerinnen oder einfach nur Frauen in der Szene, können durchaus Parallelen zu heidnischen Kulturen gezogen werden. Zumal die Frau in naturorientierten Kulturen nicht in eine derart untergeordnete Rolle gepreßt wurde. Bei den Kelten beispielsweise gab es eine Zeit der weiblichen Führung. Dies kam zustande, weil den Römern, insbesondere Kaiser Tiberius, der Einfluß der Druiden und aufsteigenden Filidhs (der Lehrling des Druiden) auf das keltische Volk Galliens ein Dorn im Auge war. Aus politischen Gründen fürchtete er die Kelten und ihren tiefverankerten Glauben in die Natur, das Universum und die damit einhergehenden alten Weisheiten. Aus diesem Grunde, ließ er also Druiden erbarmungslos verfolgen und liquidieren, zu einem einzigen Zweck, nämlich, die Kelten ihrer geistigen Führung und somit ihres unerbittlichen Neutralseins zu berauben. Das Ziel war, das keltische Volk geistig und seelisch zu brechen, um diesem Herr zu werden und es für sich zu vereinnahmen. Die Kelten aber erkannten diese hinterlistige Taktik und befürchteten, sich selbst und ihre Seele zu verlieren.

Die Unterdrückung hatte durchaus Erfolg, doch gab es auch Gruppierungen, die ihre Rettung einzig und allein in der Flucht in ein anderes Land sahen. Da diese Gruppen im Zuge der Flucht und Besiedlung neuen Landes unbedingt ihren Glauben wiederfinden wollten, mußte es auch neue geistige Führungskräfte geben. Aber es gab keine Druiden, denn entweder waren diese bereits ermordet, oder es war einfach lebensgefährlich, diese Aufgabe zu übernehmen, denn die Unterdrückung gebar auch unter den Kelten Verräter. Einige Gruppen flüchteten bis in die Karpaten, andere zogen nicht ganz so weit und verblieben im germanischen Reich, genauer in Böhmen. Und weil es, wie gesagt, keine Druiden mehr gab, kam die Frau ins Spiel. Bald gab es Priesterinnen, Frauen in beratender Funktion und so weiter.

Es gab weibliche Göttinnen, wobei man annimmt, daß diese alle zusammen genommen sozusagen eine einzige war, die Erdmutter-Göttin. Das verwundert jedoch nicht, denn im Zusammenhang mit heidnischen Völkern, und nicht nur bei den Kelten, ist oftmals die Rede von einer Art Mutter-Göttin, die für das Leben und die Liebe steht.

Da kommt die allseits bekannte Formulierung ´Mutter Erde´ und ´Vater Staat´ gewiß nicht von ungefähr. Was sofort auffällt, ist die männliche sowie weibliche Charakterisierung der beiden Ausdrücke. Bei den Babyloniern soll es einen ähnlichen Glauben gegeben haben: Das Muttergeschöpf mit Namen Tiamat (!) und ein Vatergeschöpf mit Namen Apsu. Es gab jedoch auch solche, die zwar nicht als Mutter-Göttinnen galten, mit denen der Legende nach aber überhaupt nicht gut Kirschen essen war.




Es heißt, daß in Irland eine Königin namens Maeve von Connacht existierte. Sie herrschte souverän, und sie soll eine ausgesprochen hervorragende Kriegerin sowie Zauberin gewesen sein, und wurde sogar als Kriegsgöttin bezeichnet, die sich selbst und ihr Land mit eiserner Hand verteidigte. Diese Gestalt hat mich persönlich am meisten beeindruckt, denn sie ist für mich die perfekte Frau. Sie ist kein Seelchen, sie ist eine Seele. Sie ist nicht anmutend, aber sie strahlt vor Kraft. Sie liebt, und sie ist zornig zugleich, und sie läßt sich nichts gefallen. Sie verkörpert mit ihrer Ausstrahlung etwas, was ich für die Gothic/ Doom-Szene sehe und wünsche.

Der enorme Zulauf von Frauen in dieses Genre zeigt doch, daß sie etwas suchen, was sie in der ´normalen´, christlichen, männerdominierten Gesellschaft nicht finden können. Das Thema der matriarchalischen bzw. christlichen Unterdrückung auf das weibliche Geschlecht innerhalb der letzten zweitausend Jahre spiegelt sich gewiß von Seiten der Frauen mit einem funkelnden Grinsen in der Musik des Gothic Metals/-Rocks, Dooms etc. wieder. Denn Hand aufs Herz: Einmal verzeihen heißt, immer verzeihen zu müssen, wenn dem denn kein Einhalt geboten wird. Denn sie liebt ihn ja, den Mann. Sie geht und streitet gerne mit und für ihn, aber nur mit ihm und nicht unter ihm, wie etwa ein Fußabtreter. (Aufrichtige Achtung denen Männern, die das kapiert haben!)

Das hat nichts mit militanter Emanzipation oder gar Vergeltung zu tun, sondern eher mit einem gesunden Selbsterhaltungstrieb. Zurück zu den keltischen Priesterinnen. Für ein paar Jahrhunderte retteten sie in Zeiten schwerer Krise die keltische Kultur. Mit Einbruch und der immer stärker werdenden christlichen Kultur allerdings, wurden die keltischen weiblichen Göttlichkeiten zunehmend vereinnahmt und einfach in christliche umgepolt. Was viele nicht wissen, ist die Tatsache, daß auch heute noch vermeintlich christliche Feste vollzogen werden, die in Wahrheit ursprünglich einmal heidnischer bzw. keltischer Natur waren. Als Beispiel ist das uns heute allseits bekannte christliche "Weihnachten" zu benennen. Dieses Fest hatte bei den Kelten die Bedeutung der sogenannten ´Mutternacht´, der absolute Beginn neuen Lebens für das neue Jahr, und galt somit auch als ´Neujahr´.

Das ´Neujahr´, wie wir es verstehen und das heute auch zu einem späteren Datum gefeiert wird, war für die Kelten eine unnatürliche Form und stimmte folglich mit den naturgegebenen Zyklen von Wechsel des Mondes und Sonnwende nicht überein. An dieser Stelle kommt das Gleichgewicht von Leben und Tod wieder ins Spiel. Die Natur muß verdorren, damit neues Leben entstehen kann. Es ist also zu vermuten, daß die Furcht vor dem Tod erst durch den christlichen Glauben und sicherlich nicht ohne eigennützigen Zweck, wie jeder weiß, geschürt wurde und den meisten Menschen innerhalb der christlichen Kultur bis heute tief in die Seele geätzt ist. Insgesamt ist die kleine Auferstehung heidnischen Gedankenguts durchaus eine, wie eingangs erwähnt, wunderbare Wiederholung und trifft insbesondere auf Gothic metal/-rock, Doom als auch Black Metal zu.

Dies mag auch der Grund sein, warum viele Leute diese Szenen nicht begreifen und sich mitunter vor ihnen ängstigen. Dem ´Normaldenkenden´ sitzt dieses christlich indoktrinierte Gedankengut mehr im Kopf, als mancher von sich denkt. Deshalb kann er es einfach nicht verstehen, weshalb Menschen ihre Zeit damit ´verschwenden´, in Gedanken intensiv auf den Tod zuzugehen und sich in einem großen Ausmaß mit ihm beschäftigen, was oftmals auch als krankhafte Todessehnsucht ausgelegt wird. Natürlich möchte auch der ´Heide´ leben, denn er liebt das Leben, und es kann auch schön sein, selbst in Stadien tiefster Traurigkeit, doch möchte er sich vor dem Tod NICHT fürchten und ihm aufrichtig und voller Stolz erfüllten und gelebten Lebens ins Gesicht sehen, im Wissen, daß der Tod nicht das Ende ist, sondern lediglich der Anfang neuen Lebens. Das ist nun mal das Gesetz der Natur und in Wirklichkeit ein phantastischer Vorgang, denn die Natur besitzt die einzigartige und unschlagbare Fähigkeit, sich aus sich selbst unendlich neu zu erschaffen. Allein diese Tatsache gebietet ihr Respekt.

Wir haben das durch die christliche Vereinnahmung und Unterdrückung einfach vergessen und maßen uns an, besser als die Natur zu sein, indem wir uns die perversesten Ideen einfallen lassen, um sie uns unterwürfig zu machen. Das ist dann das, was man heutzutage als ´normal´ bezeichnet. Und weil die Menschen das alles vergessen haben, kennen sie es nicht, und was man nicht kennt, macht einem, wie allseits bekannt, große Angst. In ganz besonderem Ausmaß trifft dies auf den Black Metal-Bereich zu, der dem Gothic Metal/-Rock und Doom am nähesten steht. Und auch hier sind erste musikalische Verbindungen zu verzeichnen.

Als Beispiel sei hier Evereve mit “Seasons“ und “Stormbirds“ genannt, die es ausgezeichnet verstehen, die stilistischen Arten miteinander zu verbinden. Obwohl der Black Metal bei den meisten auf taube Ohren stößt, weil er oftmals wirklich ´schrecklich´ anzuhören ist, konnten sich Evereve eines vermutlich nicht unbedingt erwarteten Erfolgs erfreuen. Auch ein anderes Projekt, das aus dem Black Metal heraus entstanden ist und sich in klarere Richtungen entwickelt, wäre Falkenbach. Der Mann, der dahintersteht, arbeitet übrigens ebenfalls mit folkloristischen Elementen und läßt in einem die Erinnerung an die Wikinger hochkommen. Ein besonders wunderbares Beispiel wäre der Song “...Into The Ardent Awaited Land...“. An dieser Stelle wäre aus dem Bereich Gothic Metal übrigens bei Type O Negative die Soundcollage “The Glorious Liberation Of The People´s Technocratic Republic Of Vinnland By The Combined Forces Of The United Territories Of Europe“ zu verzeichnen, das sich gedanklich konkret mit dem Thema Wikinger beschäftigt.

Doch noch einmal zurück zum eher puristischen Black Metal. Deren Teufels-Kult wird meistens ebenfalls mißverstanden, obwohl ich mir sicher bin, daß es selbst innerhalb dieser Szene Leute gibt, die gar keine Ahnung haben, wie es denn zu dieser Angst überhaupt gekommen ist und halt einfach mal so drauflos plappern, wie ´Hail Lucifer´ und dergleichen, und dann auch noch meinen, sie beten das “Böse“ an. Doch das “Böse“ ist in Wirklichkeit gar nicht so böse. Die Begriffe “Teufel“ und “Hexe“ gab es z.B. bei den Kelten, jedoch waren damit schädliche kosmische Strahlungen gemeint, was ebenfalls zeigt, daß die heidnischen Völker über ein ausgesprochen umfangreiches, naturwissenschaftliches Wissen verfügten. Wissen, das unsere Kultur erst in jüngster Zeit entdeckt hat. Leute in der Black Metal-Szene, die dem Angstmachen nacheifern und den Gehörnten als “Bösen“ anbeten, tun nämlich genau das, was sie doch eigentlich am meisten verachten: Sie tun der christlichen Kultur einen ungeheuren Gefallen, indem sie die Angst vor dem vermeintlich “Bösen“ schüren.

Es war nämlich so, daß die Kelten an das Ganze glaubten, das niemals ein Ende kennt. Dies ergibt sich allein schon aus dem Glauben an die Gestirne, die zwar wechseln, aber immer wieder von vorn beginnen und somit einen unendlichen Kreislauf darstellen. Insofern war auch die anzubetende Kult-Figur oder Gottheit austauschbar und richtete sich jeweils nach dem gerade vorherrschenden Sternzeichen. Als die Sterne nun wechselten und das Zeitalter des Stieres sich dem Ende zuneigte, stieg das Zeichen des Widders auf. Die Kelten, welche dem Stier-Kult anhingen, wehrten sich gegen den zunehmend siegenden Widderkult. In diesem Zusammenhang sei erwähnt, daß es sogar hier noch Formen von Ritualen gibt, die bis heute überlebt haben, jedoch die ursprünglichen Gründe dessen in Vergessenheit geraten sind und als Ritual auch gar nicht mehr angesehen werden.

Als besonders bekanntes Beispiel wären hier die Stierkämpfe in Spanien zu nennen. Es gilt hier, den Stier zu besiegen und zu töten. Dies bedeutete ursprünglich den Sieg des Widder-Kultes über den Stier-Kult. Gleiches Ritual in Bezug auf den Sieg des Fische-Zeitalters über den Widder-Kult ist in der christlichen Kultur das Opferlamm. (ACHTUNG! Das heißt jetzt aber nicht, daß jeder losrennen soll, um sich einen Fisch zum Töten zu suchen. Verzeihung, aber es soll ja solche Spinner geben.) Da die christliche Kultur seinerzeit alle Mühe hatte, die heidnische Kultur zu besiegen und sich auch nicht scheute, über Leichen zu gehen und trotzdem das Heidentum nicht endgültig darnieder lag, wurde der Widder von der Christenheit wiederum einfach umgepolt.

Der Widder wurde zum Zeichen des “Bösen“ deklariert. Somit bekam das “Böse“ bzw. das “Teuflische“ sein Gesicht: der Teufel in Form des Widders oder Gehörnten. Die christliche Kirche hatte den Teufel sozusagen erschaffen, um dem Heidentum Herr zu werden. Das untergebene Volk ließ sich die Angst vor dem Teufel und dem Tod aufzwängen, und die Kirche hatte und hat somit eine unglaubliche, bis in unsere Zeit reichende Macht. Dies mag auch ein Grund dafür sein, warum es der Kirche gelungen sein kann, zu derartigen Reichtümern zu gelangen, weil man sich vom angeblich “Bösen“ ja freikaufen konnte, indem man für seine sogenannten “Sünden“ mit Geld und anderen Gütern bezahlte. Und da mag es einen auch überhaupt nicht mehr verwundern, daß der Kirche die Musik des Metal, egal in welcher Form, ein Dorn im Auge ist und sie in der Vergangenheit massivst zu bekämpfen versuchte, indem man verbreitet, der Metal sei ein Werk des Teufels.

Die christliche Kirche (zumindest solche, welche vom kirchlichen Reichtum profitieren) wird gewiß sehr wohl wissen, daß sie den Metal nicht deswegen bekämpft, weil sie ernsthaft glaubt, er sei des Teufels. Sie wird sich nämlich viel eher vor dem heidnischen Gedanken fürchten und damit auch vor dem einhergehenden Verlust des Reichtums und der Macht, nicht nur über die Frau. (Für diese Ausführung wäre ich im Mittelalter wahrscheinlich kurzerhand auf dem Scheiterhaufen gelandet.) In Anbetracht dessen, verwundert es mich doch sehr, daß es in der Black Metal-Szene immer wieder Leute gibt, die den von der Kirche vorgeschobenen Glauben auch noch unwissend unterstützen und diesen obendrein mit faschistischem Gedankengut anpreisen. Denn es gibt durchaus Leute in der Black Metal-Szene, die den Teufel als “böse“, so wie man es im christlichen Sinn versteht, gar nicht verehren. Für diese Leute ist der Teufel nichts anderes als ein Ausdruck des Widerstandes gegen die hinterhältige Vereinnahmung und Angstverbreitung der christlichen Kirche gegen das Heidentum. Allein deshalb muß mit der Behauptung, alle Blackmetaller seien Faschisten oder gar verhinderte Jungfrauenpfähler, sehr, sehr vorsichtig umgegangen werden.

Dieser Irrtum ist sicherlich auch auf die seltene Verwendung des Hakenkreuzes sowie anderer derartiger Zeichen zu beziehen, denn das Hakenkreuz war ursprünglich ein Zeichen des “Hällristningar“-Alphabets, auch bekannt unter der Bezeichnung “Runen“, das neben anderen - besonders von skandinavischen sowie germanischen - heidnischen Völkern verwendet wurde. Die Anwendung des Alphabets war wenigen auserwählten Druiden oder auch Runenmeistern vorbehalten. Es heißt, daß die Runen im Dienste einer guten Sache genutzt wurden, z.B. als fördernde Kraft für Gesundheit und Heilung, Fruchtbarkeit und die Liebe usw. Es soll aber auch geheißen haben, daß die Runen in den falschen Händen und unrichtiger Handhabung großes Unheil heraufbeschwören würden. Es bleibt zu vermuten, daß dies der Grund gewesen sein mag, warum das Alphabet nicht jedermann zugänglich war. Und auch hier geschah es, daß die christliche Kirche die Runen zu verbieten versuchte und diese zu des “Teufels Zeichen“ erklärte. Dies war schließlich auch ein Grund, weshalb Frauen als Hexen dem Scheiterhaufen zum Opfer fielen.

Heute jedoch kann angenommen werden, daß diese sogenannten Hexen in Wahrheit weise Frauen mit einem vermutlich ausgeprägten naturwissenschaftlichen Wissen gewesen sein müssen. Im Jahre 1902 soll dann ein deutscher Okkultist namens Guido von List ein neues, ziemlich zweifelhaftes Runen-Alphabet aufgestellt bzw. erfunden haben. Wenige Jahre später dann soll es von rechtsextrem Gesonnenen übernommen worden sein. Schließlich wurden die Runen von den Nationalsozialisten zur Repräsentation ihrer Politik in Anspruch genommen. Das Problem ist, daß den meisten die Geschichte der Runen, die auf mindestens zweitausend Jahre geschätzt werden, wenn nicht gar älter, gänzlich unbekannt ist, und insbesondere das Hakenkreuz somit zumeist automatisch als Zeichen des Faschismus angesehen wird.

Der Schriftsteller und Professor J.R.R. Tolkien hat in diesem Zusammenhang übrigens auch versucht, ein wenig Aufklärungsarbeit zu leisten. Weiter ist zu beobachten, daß es in der Tattoo-Szene zunehmend Leute gibt, die sich mit Runen in der Haut schmücken. Das bedeutet nicht automatisch, daß solche Nazis sind, sondern sie versuchen, die alte Bedeutung des “Hällristningar“-Alphabets in sich aufzunehmen. Sie suchen die Verbindung zu alten Weisheiten, zur Natur und zum “Ganzen“. So verstehen es sicherlich auch Leute und Musiker in den verschiedenen Szenen, soweit solche sich mit derlei beschäftigt haben. Trotzdem ist diese Thematik mit Vorsicht zu genießen, denn Wölfe im Schafspelz weilen nach wie vor unter uns. Am besten, man beschäftigt sich ganz privat und alleine mit solchen Dingen, dann gibt es auch keine Überraschungen, wie etwa beim Besuch eines fragwürdigen Seminares oder dergleichen.

Natürlich gibt es Ausnahmen. Jedoch ist es auffällig zu beobachten, daß diese Leute den Teufel als das “Böse“ sehen, das Hakenkreuz im Sinne nationalsozialistischen Gedankenguts sehen und auch das alte nordische Volk, sprich Germanen oder auch Wikinger, als solches verstehen, dessen Raubzüge aus Gründen von Rassendifferenzen geschahen und dies somit als gültiges Gesetz erachtet gehört. Leider, und das könnte durchaus der Fall sein, ist diese bisher weitläufig bekannte Annahme vielleicht auch ein Auslöser einer wahren Tragödie gewesen. Denn Archäologen und Sprachforscher haben im Zuge angestrengter Untersuchungen Grund zu folgenden Vermutungen, die den Verdacht erhärten, daß die Germanen bzw. Wikinger, welche wohl die kriegerischsten, heidnischen Völker gewesen sind, nicht unbedingt nur um der Habgier und Rassenunterschiede willen weite Reisen antraten, mordeten und brandschatzten. Sondern vielmehr deshalb, weil das Land spärlichen Ertrag abwarf, so daß das nordische Volk unter großen Hungersnöten litt.

Die Römer suchten das germanische Volk zu unterdrücken. Vermutet wird, daß dies einem heutigen Einmarsch in die “Dritte Welt“ geglichen haben muß. Schließlich ließen die Römer von ihrem Plan ab, denn es gab nichts zu holen - das Volk konnte sich nicht einmal selbst ernähren. (Damit wir uns richtig verstehen. Ich habe kein Problem damit, daß ein ausländischer Mensch meinen Lebensraum und dessen Früchte teilt, solange er nicht versucht, mir irgendeine Meinung aufzuzwängen oder gar gewalttätige Anstrengungen macht, mir an die Wäsche zu gehen. Im übrigen gelten die letzten beiden Punkte auch für Deutsche und im übertragenen Sinne selbst für die christliche Kirche, denn ich möchte gewiß nicht abstreiten, daß es durchaus Menschen christlichen Glaubens gibt, welche edle Motive verfolgen. In der Regel sind dies jedoch ganz “kleine, unbekannte“ Menschen, die für ihre Arbeit meistens auch noch einen Arschtritt bekommen. Die Botschaft lautet nicht: Das ist mein Land, verschwinde! Sondern sie lautet: Wenn du mich achtest, dann achte ich auch dich!)

Im Zuge der geschilderten Forschungen gibt es desweiteren Vermutungen, daß die sogenannten blonden und großgewachsenen Wodan-Anhänger ihren Ursprung nicht, wie bisher angenommen, in Skandinavien haben, sondern daß die Keimzelle des Prototyps derer, im bzw. zwischen Harz, Rhön und Erzgebirge läge. Leute aus den Szenen, die die Geschichte dieser Völker im negativen Sinne als endgültig erachten und für sich in Anspruch nehmen, können es sich natürlich nicht vorstellen, daß benannte Völker, wenn sich die Behauptungen der Forscher denn bewahrheiten sollten, vielleicht wirklich einmal ein Notleidendes und Getretenes gewesen sein könnte, was ja in der Tat, wie auch bei der Unterdrückung und Flucht der Kelten, als wirklich tragisch zu bewerten wäre.

Wie dem auch sei, letztendlich spielt es doch überhaupt keine Rolle, ob die nordische Kultur ihren Ursprung nun in Skandinavien oder Deutschland hatte. Was zählt, ist der gute Geist, die Seele solcher Kulturen. Das Wesen der Gothic/Doom-Szene etc. zeichnet sich ähnlich wie bei den heidnischen Kulturen mit ihrem uneinnehmbaren Neutralsein dadurch aus, daß politische Tendenzen, ganz gleich welcher Gesinnung, hier nichts verloren haben. Die Devise heißt: Leben und leben lassen! Jeder mag an das glauben, was ihm beliebt, solange es anderen nicht schadet. Wer jedoch meint, sich gewalttätig Gehör verschaffen zu müssen, um eine bestimmte Meinung aufzuzwängen, der braucht sich nicht zu wundern, daß ihm selbiges widerfährt. Wie heißt es so schön: Wie man in den Wald ruft, so schallt es hinaus. Eigentlich eine simple Formel, mit der die Menschheit anscheinend nicht zurechtkommt. Und da wären wir wieder beim Thema, daß man immerzu nach dem Kompliziertesten strebt. Zwar haben die nordisch/germanischen Völker gemordet, und auch bei den Kelten gab es zu Ehren einer blutrünstigen Gottheit Zeiten von Menschenopfern. Natürlich kann das niemand entschuldigen, doch, und das sollten wir nicht vergessen, haben diese heidnischen Völker auch unglaublich viel Gutes erschaffen und gedacht. Warum also soll man das Gute nicht einfach aufgreifen und stärken. Ich schäme mich nicht zu sagen, daß ich mein Land liebe - wegen seiner Berge, Flüsse, Wälder und seinen Tieren. Es erscheint doch erstrebenswert, den Weg zurückzufinden, zu sich selbst, zur Natur, zum Kosmos und dem Unendlichen, das keine Angst kennt.

Es heißt, daß die Kelten friedlich ihrem Untergang entgegensahen, mit dem Wissen, daß ihre Kultur, wenn auch mit einem anderen äußerlichen Gesicht, irgendwann, in weiter Ferne, wieder auferstehen würde...

 

Literatur/Quellenverzeichnis:


1. Morgen des Mittelalters - Völker und Reiche in der spätantiken Welt (Michael Grant)
2. Heiligtümer und Opferkulte der Kelten (Alfred Haffner)
3. Wiederkehr der Kelten (Martha Sills-Fuchs)
4. Der Spiegel - Die Germanen, unsere barbarischen Vorfahren (Ausgabe 44, Jahrgang 96)
5. Flesh Canvas (Ausgabe 9, Jahrgang 96)
6. Wir wollen nur deine Seele (U. Bäumer)
7. Eifersucht (Heinz Körner)


Text: Irina Voss



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